Monatsarchiv für Oktober 2005

Neulich im Supermarkt


Kategorie Allgemein werk01
21. Oktober 2005

Dienstag, 30. August 2005 11:31 Uhr

Einst betrat ich eine der modernen Lebensmitteleinkaufstätten. Wohl sortiert, mit einem Einkaufszettel in der Hand, allem Unwichtigen in dieser Zeit weg verstaut hielt ich mich an die Reihenfolge: erst einen Wagen holen.
Welch Glück, dass ich nicht mal eine Münze investieren mussten, denn der Wagen vor mir war ein freier Wagen.
So schlenderte ich durch die Regale und aufgestellten Waren, arbeitete meinen Zettel ab und liess mich auch durch die Angebote verlocken.
Zumal ich, als ich durch die Schokoladengegend streifte, durch einen Anruf leicht abgelenkt war.
Kurz verlor ich meinen Wagen aus den Augen, fand ihn aber nach mäßiger gedanklicher Anstrengung auch umgehend wieder. Noch beschwingter durch das Telefonat parkte ich meinen Einkaufswagen bei Eiern und Milch und machte mich daran, unsere Frühstückskiste mit allerlei Käse, Wurst und diversen Aufstreichangelegenheiten zu füllen.
Den Arm voller Leckereinen bog ich um die Ecke und – mein Wagen war verschwunden!
Verdutzt blickte ich mich um. Doch, doch, der Ort stimmte, die Zeit auch, meine vollen Arme bestätigten mir meine verfolgte Absicht. Nur meine Beutekammer war nicht mehr da. Leicht verstört umkreiste ich den Abstellort, um mich selbst zu vergewissern, dass ich nichts Falsches getan hatte.
Mit der Zeit wurde mein Blick grimmiger, denn vor meinen Augen hatte sich das Bild einer ergrauten und leicht gebückt gehenden alten Dame aufgetan, die verstockt einen Wagen zur Kasse schob, um dort festzustellen, dass sie weder Nutella isst, noch Weichspüler ‘sensitiv’ benutzt und auch eigentlich genügend Müllbeutel hat.
Detektivisch verfolgte ich ein paar der Einkaufswagen, nicht nur durch Blicke, konnte aber meinen individuell zusammen gestellten nicht mehr entdecken.
Schnaubend stapfte ich schließlich nach draußen, um doch noch eine Münze zu investieren. Neuer Wagen, alte Route – diesmal nur etwas schneller, da ich doch leicht angenervt war.
Als ich mit halb fertigem Wagen zu Eiern und Milch kam, stieß ich schlussendlich auf ein Zwillingsexemplar meines Wagens.
Da stand er! Als wäre er nie weg gewesen.
So langsam fing ich an zu kochen, da ich mir sicher war, um mich herum nur noch hämische Blicke zu ernten.
Mit einer stoischen Ruhe begann ich, den Inhalt der Wagen auszutauschen. Denn: den Wagen _ohne Münze_ (der zu drei Viertel erledigt war) wollte ich zurück lassen, den Wagen _mit Münze_ (der nur zu einem Drittel bestückt war) wollt eich mit nehmen.
Gesagt, getan, zur Information, den einen Wagen stehen lassen, den anderen zur Kasse geschoben.
Ich hoffe, mein durchdringend erforschender Blick hat den richtigen Wagendieb noch getroffen.

Anja

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Bücher-Qualen


Kategorie Allgemein werk01
21. Oktober 2005

Donnerstag, 14. Juli 2005 17:41 Uhr

So – mit viel Geduld und Spucke hab ich mir eben mal den ’35.Mai’ von Erich Kästner für ganz schmales Geld bestellt – unter 2 Euro plus Versandkosten. Hurra!
Und wo ich schon bei meinem Lieblingsbuchbesteller gestöbert habe und bedingt durch mein aktuell zu lesendes Buch (Tom Robbins: ‘Völker dieser Welt, relaxt!") bin ich so auf den ein oder anderen Nebenweg geraten. Leider hängen meine Mundwinkel jetzt etwas herunter.
Also: Tom Robbins Protagonist ‘Switters’ stöbert und zitiert hin und wieder aus ‘Finnegan’s Wake’.
Da dachte sich die Anja: Fein, lies Du das auch mal. Klingt kompliziert und damit interessant. Schritt Eins: wer hat es wohl geschrieben? Antwort: James Joyce. Hoppala.
Meine Buchstöbermaschine warf mir auch nur englische oder amerikanische Anbieter dieses Werkes aus.
Hm …
James Joyce?! Kenn ich doch! Das ist doch der mit ‘Ulysses’. Sollte das ‘Finnegan’s Wake’ auf deutsch sein? Wenn ja – na bravo. ‘Ulysses’ gilt als schwierig zu lesen.
Also weiter suchen.
Und wie lautet die Antwort: ‘Ulysses’ bleibt ‘Ulysses’ und gilt eigentlich als unübersetzbar. Gibt es aber auf deutsch. Jetzt weiss ich nur nicht, welche der diversen übersetzungen für mich wohl geeignet wäre. Also verschoben auf später.
Was aber noch viel schöner ist: ‘Finnegan’s Wake’ ist tatsächlich nie übersetzt worden – nur Teile daraus. Und die sind WOW – teuer!
Vergleichbar sei ‘Finnegan’s Wake’ mit ‘Zettels Traum’ von Arno Schmidt.
Meine Buchstöbermaschine hat sogar eine Handvoll dieser Werke im Angebot. Die Preise gehen ab 800 Euro aufwärts! WOWWOWWOW
Dann gibt es noch (Achtung: dies sind keine Schreibfehler) ‘Finnegans Wehg Kainnäh übelSätzZung des Wehrkeß fun Schämes Scheuß’ von einem Herrn Stündel. Locker, das geht dann mal so ab 60 Euro aufwärts. Menno …
Tja – vielleicht sollte ich irgendwann dann doch mit ‘Ulysses’ beginnen, auf deutsch und die Wartezeit bis dahin vertreibe ich mir mit solch zauberhaften Werken wie ‘Der 35. Mai’.
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Chirurgen der besonderen Art


Kategorie Allgemein werk01
21. Oktober 2005

Donnerstag, 07. Juli 2005 10:38 Uhr

> ps.: die Laberliste braucht wieder mehr Humor … und [werk01] auch –
> oder?!

Heute morgen um 8 Uhr stand bei Dr. Dr. Waldmann ’18 / 28′ auf dem Programm. Nur die Patienten, die zu dieser internen Zahlenkombination gehörte, machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Schon wissend ob des Charmes der Helferinnen betrat ich mit einer aufgesetzt griesgrämigen Visage die heiligen Hallen. Oli mitgenommen, da ich wohl Zeugen für den ungehobelten Chirurg brauche.
Die Empfangsdame fragte mit erfrorenen Gesichtszügen zweimal nach meinem Namen und ob ich denn die ‘Aufklärung’ dabei hätte. Ja, habe ich schon, aber nicht unterschrieben. Ja, ja, dann machen Sie das wohl hinten. Ja, ja – mal sehen …

Fakt ist und bleibt, dass dieser Chirurg der Ansicht ist, vier meiner Weisheitszähne müssten RAUS. Fakt ist, dass ich keine Zeit habe, mich mal gerade drei Tage hinzulegen, um meine Wunden ausheilen zu lassen. Und HEUTE schon mal gar nicht, da ich ab 14 Uhr ein Projekt abzuschließen habe, ab 17 Uhr in der FZZ-Besprechung hocke und morgen nach Berlin fahre, um ein Brautkleid zu kaufen. Ist ja nicht so fein, die Boutiquen da voll zu bluten und allen Familienmitgliedern beim Schmausen zuzuschauen. Egal.

Herr Doktor, wieder mit seiner Lupenbrille auf dem Kopf, kam auch geschäftig in den OP, um mir gleich alles heraus zu nehmen.
Ich starte meine Fragen: WAS er da überhaupt vor hat, WIE er das machen möchte, WELCHE Auswirkungen das auf mich haben könnte und ob alles auch vielleicht verschoben werden könne, da ich momentan weder Schmerzen noch Zeit dafür habe.

Er wiegelt sofort verächtlich ab: Wenn ich jetzt dafür keine Zeit hätte, dann solle ich gefälligst einen Termin machen, der mir zusagen würde und er würde mir _Zähne ziehen_ (DAS habe ich auch schon mitbekommen? Bohren – hämmern – schweissen, WAS denn nun? Auf diesem Kanal ist Herr Doktor jedoch stocktaub)! Ob es weh täte? Das wüsste ER doch nicht. Wenn ihm Zähne gezogen würden, würde ER in JEDEM Fall fünf Minuten später wieder arbeiten. Krankschreiben? IHN doch nicht! Ich weise ihn darauf hin, dass ich gefragt wurde, ob ich krank geschrieben werden müsse und ich daraus den Schluss ziehe, dass ich doch vielleicht liegen und mich erholen muss. Ja, jeder Mensch sei ja schließlich anders – da könne er überhaupt keine Auskunft geben.

Dabei stand er übrigens schon im Türrahmen zum Nebenzimmer, wo wahrscheinlich der nächste _genügsame_ Patient wartet.

Schlussendlich hat uns die Helferin ein wenig beraten. Sehr entschuldigend nahm sie Herrn Doktor in Schutz, der wohl heute keinen guten Tag hätte. Tja, da habe ich wohl ausgerechnet die beiden Tage im Jahr erwischt, an denen der Herr Diva-Doktor wohl mal nicht so gut drauf war …

Resultat: wenn ich keine Schmerzen habe, brauche ich keine Behandlung!
Ich frage heute nachmittag im FZZ, ob ich eventuell den 20.07. frei bekomme (an dem Tag gastiert ein Kindertheater während der Ferienspiele und die Atelierarbeit ist dann eh eingeschränkt), um mir zwei Zähne ziehen zu lassen.
Wenn ja, halte ich mir diese Option so lange offen, bis die Schmerzen da sind.
Bleiben die aus, wird mit vollem Mund geheiratet!

Die kopfschüttelnde und immer noch unwissende
Patientin Anja

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Verwirrte Chirurgen und Anja mittendrin


Kategorie Allgemein werk01
21. Oktober 2005

Dienstag, 05. Juli 2005 11:14 Uhr

Hallo.
Gestern war der ‘Erste Tag zum Schritt der Wahrheit’ oder wie auch immer.
So langsam kommt man dann ja auch in ein Alter, in dem man neue Arztpraxes entdecken muss. Mich trieb es nun in die Praxis der Kiefer- und Schönheitschirurgen an den Niederwall.
Leicht unausgeschlafen und dementsprechend verwirrt tapste ich bei ungefähr 50 Grad Celsius die Treppen hinauf. Plötzlich stand ich in der knackevollen Praxis und habe mich brav in die Warteschlange eingereiht. Während meiner Wartezeit hatte ich die Gelegenheit, einen der ärzte zu betrachten. Dieser rannte mit einem Telefon am Ohr durch die Gegend und schien irgendwelchen Untersuchungsgegenständen, die er am Freitag in irgendeinem Labor abgegeben hatte, hinterher zu telefonieren. Auch gut. Dabei hatte er ein Instrument auf dem Kopf, dass wohl wie eine Lupe wirken muss. Jedenfalls erinnerte er mich an irgendeinen wahnsinnigen Arzt aus lustigen Horrorfilmen. Irgendwann war ich dann doch noch ‘an der Reihe’ und bekam zuerst einmal ein Klemmbrett in die Hand gedrückt. Ich musste alles Mögliche angeben, von Allergien, der Telefonnummer meines Arbeitgebers (???) bis hin zu der anzukreuzenden Frage: ‘Haben Sie Angst vor der Behandlung = JA!’.
Ich musste wieder im Warteraum warten und grabschte mir eine der raren Illustriertenn. Als ich zum Tresen gerufen wurde, um meine Krankenkarte abzuholen, nutze eine ebenfalls Wartende die Gelegenheit und bemächtigte sich der Zeitschrift. Jetzt weiss ich nicht, wie der Segeltrip von Willem, Maxima, Mette-Marit und Haakon ausgegangen ist! ts ts ts
Der erste Kontakt zum Arzt selber verlief auch recht skurill: ‘Frau Gnjkdjf’ dröhnte es irgendwann durch den Raum und ich dachte: Geh mal gucken, ob DU damit gemeint bist.’ War ich wohl, jedoch fand ich nicht gleich den Weg in ‘Zimmer 2′ – wo sollte das denn auch sein?! Ich war da noch NIE …
Die Helferinnen waren total angenervt und haben es auch gleich an mich weiter gegeben. Spitze! Der Arzt, ebenfalls mit dieser Lupe auf den Augen, fragte mich nach meinem Röntgenbild. Habe ich noch nicht, sagte ich fröhlich, um die Stimmung mal ein wenig zu entspannen. Kam irgendwie nicht gut bei den Helferinnen an … Ich bekam ein ‘Alle Piercings jetzt raus!’ um die Ohren und fand mich wenig später einer Apparatur gegenüber, die mir um den Kopf fuhr, um meinen Kiefer zu durchleuchten.
Danach versuchte ich minutenlang, meine Piercings wieder ordentlich an die für sie vorgesehenen Stellen zu bringen, was bei allen Helferinnen abschätzende Blicke verursachte. Ich wurde dann wieder zum Arzt gerufen, um mein Röntgenbild zu betrachten. Der stand an einer in Folie verpackten Tastatur und balancierte seine Lupen auf dem Kopf herum.

Schlussendlich sieht es SO aus: drei Weisheitszähne sind morsch und müssen raus. Unten links unter der Krone habe ich eine Entzündung, die auch behandelt werden muss. Weh tut mir davon gar nichts.

Mit der Helferin habe ich dann an einem Termin herum gedoktort, was in meiner Situation nicht so ganz einfach ist. Zähne werden NUR vormittags gezogen (Spitze – das kann ich GAR NICHT AB!). Also das ‘geringste übel mit den wenigsten Gefahren’ gewählt und den Donnerstag genommen: 8 Uhr *brech*.
Ich soll einen Zettel unterschrieben mitbringen, der nachweist, dass ich vollkommen aufgeklärt bin, was Behandlung und Risiken dieser angeht. Tut mir leid, das kann ich nicht unterschreiben – da ich leider überhaupt nicht Bescheid weiss! Das werde ich dann schön am Donnerstag einfordern. Toll, damit schieße ich mich wahrscheinlich komplett ins Aus und meine Behandlung wird zum Frust-ablassen der Helferinnen missbraucht.
Jedenfalls wissen jetzt schon alle, mit denen ich am Donnerstag noch zusammen zu arbeiten habe (NICHT die HNZ – das war mir doch ZU riskant), dass ich wohl mit dicken Backen ankomme …

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